Biographie

Mein Weg war niemals gerade. Ich habe keine Besitztümer angehäuft und mit Ruhm nur geliebäugelt. Ich habe keine Verdienste errungen, ich hab nur mein Leben geführt. Das aber habe ich konsequent getan.

Ob ich als Mensch besonders bin, weiß ich nicht, auf jeden Fall ist mein Leben nichts gewöhnliches. Das ist einfach so und kein persönlicher Verdienst. Das Ergebnis würde ich die Abwesenheit von Langeweile und Routine nennen und vielleicht so etwas ähnliches wie Freiheit.

Über viele Dinge denke ich anders als andere. Denn eigentlich habe ich mehrere Leben gelebt. Obwohl ich nur ein einziger Mensch bin, sind es Erfahrungen vieler unterschiedlicher, die mich ausmachen. Fragt man andere nach mir, die mich zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten kannten, kann man ganz unterschiedliche und gegensätzliche Antworten und Deutungen bekommen.

Ich werde niemals alters- oder sonstwie "gemäß" sein können. Und ich will es auch nicht. Der alternde Mensch bevorzugt das Bewährte und möchte sich sein eigenes Bild der Welt sichern. Dem entspreche ich nicht. Die Welt aber kann einem schöne und spanndende neue Dinge geben, man muß sie nur lassen.

Man muss das nicht verstehen.

Wer es trotzdem versuchen will, sollte mit dem Lesen dieser Seite von unten anfangen. Als Sinnbild finde ich von unten nach oben passend. Außerdem wars mir zu blöd, direkt oben ein Kinderfoto zu stellen und dann auch noch von so einem häßlichen Blag.

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Ich mache viel in meinem Arbeitszimmer von Zuhause aus. Die letzte Zeit habe ich den Terminer auf Ruhrlink auf den neusten Stand gebracht - HTML 5 und PHP Programmierung. Nur ein Hobby, aber wenigstens nichts doofes.

Mein Leben ist ruiniert - ich wäre auf Frührente - die natürlich lächerlich gering ist. Das wenige drüber mußte ich abgeben - falsche Anlageform, in diesem Staat bist du es los. Viel körperlich machen kann ich tatsächlich nicht mehr. Ob ich jemals nochmal zum Wandern losziehen kann, ist mehr als fraglich.

Behindert, das kenne ich noch von ganz früher. Mal schauen, wie es weitergeht. Was ich vorher an Glück hatte, ist zum Pech geworden. Ich habe mich verändert.


Dem Leben zu vertrauen ist beendet.

In 2015 erlitte ich zwei, in 2016 noch zwei Schlaganfälle. Dabei erkrankte ich auch an einer Depresssion. Es stürzte alles in sich zusammen.

Ich war gezwungen, Harz 4 zu beantragen. Wenn ich keine Depresssion gehabt hätte, hätte ich spätestens jetzt eine bekommen. Du wirst völlig rechtlos gemacht. Man verliert jeglichen Sinn fürs Leben und fürs eigene Ich.

Motivation erfolgt im Leben dadurch, das du einen Lohn bekommst. Ich könnte jetzt endlos darüber reden. Von der Depressionskrankheit aus gesehen ist das die größte Katastrophe die geschehen konnte, die wird nun wesentlich verschlimmert.

Eigentlich habe ich keine Lust mehr auf Leben. Harz 4 verdirbt einem jegliches davon. Ich habe ein neues Buch geschrieben über diese Vorgänge.

H4 ist der schlimmste Eingriff ins Leben, den man sich nur vorstellen kann. Danke liebe Regierung. Hoffentlich ist es bald mit dir vorbei.

Und mit mir auch. Denn so ein Leben hat keinen Sinn mehr.

Ich bin selbst gespannt, wie das nächste Kapitel hier aussehen wird. Ob es überhaupt eines gibt.


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Dem Leben zu vertrauen war schwer.

Neben dem ehemaligen Kunden, der nicht einmal seine restlichen Verpflichtungen erfüllen wollte, gab es eine Menge Unruhe. Etliche Bestandskunden gerieten in Zahlungsprobleme, Neukunden wurden spärlicher und auch ein paar private Ereignisse dienten nicht grade der Sache.

Mehr als einmal wollte ich am liebsten alles hinschmeissen. Es lohnte sich fast nicht mehr und was ich erlebte, verstärkte diesen Eindruck eher noch. Es war einfach eine gigantische Pechphase - das ich meinen Wagen in die Leitplanke fuhr war nur eines von vielen - vier Wochen lebte ich in Ungewissheit, mußte aber dann die Reparaturversuche abbrechen.

Ich habe mehr als eine Nacht nicht schlafen können zu der Zeit. Ein paar Monate geht das - nach zwei Jahren aber kratzte es schon an mir. Das Problem ist, das man sich sowas nicht entziehen kann - Miete und Strom laufen weiter und am unbarmherzigsten ist der Staat, der weiter in großen Dimensionen im Voraus kassieren möchte und generell einen großen Teil jeglicher Einnahme ohne Stress abgreift, um seine wohlversorgten "Diener" auch weiter in Bequemlichkeit zu füttern.

Es ist in diesem Land nich umsonst so, dass immer mehr kleinere Selbstständige aufgeben müssen. Umso eher werden die Verbliebenen zu Opfern. Mittlerweile ist es wieder etwas besser. Den Schaden aber auszugleichen, wird noch lange dauern.


So langsam werde ich ein älterer Herr. Und pfeif drauf. Den runden Geburtstag zelebrierte ich mit einer Rucksackwanderung durch die verschneite Eifel. Auch meine Beziehung zum anderen Geschlecht ist nicht altersgerecht. Gute Konservierung halt ;-)

Im Frühjahr 2013 habe ich den alten Laden an der Altenessener aufgegeben. Ein grosser Kunde hatte plötzlich alle Aufträge "eingefroren" und erwartete, das wir aber für einen kleinen Sockelbetrag seinen umfangreichen Service weiter betreiben.

Mein Fehler, wir hätten den Wartungsvertrag bei jeder Vergrößerung anpassen und auch durchsetzen müssen. Andererseits ein unangenehmer Verhandlungspartner - der seinen Kram nun alleine machen kann. Verbessert hat er sich nun nicht und jede Menge selbst zu tun, was für ihn vorher "im Schaf" erledigt wurde. Nun, wenn er gerne möchte - von so etwas trennt man sich.

Der Azubi wurde fertig, ich nahm stattdessen mit Stefan einen Selbstständigen mit in den Laden, der nun eigentlich zu gross wurde. Und für seine Einscheiben Fenster und den baulichen Zustand zu teuer.

Martin hatte gerade einen Mieter in seinen Büros verloren. Wir wurden uns einig.

Am Anfang war es schmerzhaft, sich von dem Status Objekt zu trennen. Auch finanziell ist es nicht leicht. Der Sklavenhalter aber hatte mich extrem in Anspruch genommen, so das ich mich kaum mal in einen längeren Urlaub traute. Der Status Mummenschatz als "Geschäftsführer" war ein Irrweg - ich habe nun mehr Zeit und Freiheit gewonnen. Wohin das mit dem Job geht, weiß ich noch nicht. Aber schließlich hat es so auch einmal angefangen - und ich vertraue meinem Leben.


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2009 ist es recht gut gelaufen. Anfang 2011 kamen die Steuern dafür. Mitsamt den notwendigen Beraterkosten summierte sich das auf 75%. Es folgten nervenaufreibende Verhandlungen über Vorauszahlungen, die in dieser Höhe gar nicht mehr zu leisten waren. Die wurden notwendig, weil man den direkt nachgereichten Antrag für das Folgejahr monatelang wegen fehlender Software nicht bearbeiten konnte. Zusätzlich zahlte ich während diese Zeit höhere Beiträge an die Krankenkasse. Alles in allem blieben 17%.

Für jeden, der hier Steuern hinterzieht, hab ich nun volles Verständnis. Dies wird offenbar einkalkuliert, denn Leben oder gar etwas ansparen kann man bei solchen Verhältnissen nicht. Mein Firmenkunden aber benötigen offizielle Rechnungen.

Ende August ist mein Azubi fertig und ich werde ihn nicht übernehmen. Einen Ausbildungplatz wird es bei mir nicht mehr geben.

Sehe ich im Fernsehen das Auto eines Politikers, werde ich ungeheuer wütend.


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Jetzt lasse ich mir einen Bart wachsen. Das steht mir sogar. War eigentlich nur ein Gag, mit dem ich meine Wanderung im Januar über den verschneiten Hunsrück "adeln" wollte.

Passt auch zum Gothic. Da bin ich jetzt oft, nicht nur wegen Nica. Mit der geht das nun schon mehr als ein Jahr. Es funktioniert prima. Wir "passen".

Irgendwie hat sich das Leben gerundet. Das ist das schlimme.

Vor langer Zeit hab ich in die Einleitung dieser Seite geschrieben, dass ich abseits von Routine lebe. Nun aber ist alles irgendwie stumpf geworden und ermüdend. Ich fühle mich regelrecht körperlich gelähmt. In der Firma läft es flau, aber noch ausreichend. Sensationen erwarte ich aber keine mehr.

Manchmal denke ich daran, alles hinzuschmeissen - aber ganz ohne Finanzen und einer Aufgabe dazustehen, dazu bin ich zu feige.

Ich bin schon ein komischer Typ. Eigentlich läuft für mich alles rund. Aber das macht mich so müde.


Das nächste Jahr lief gleichförmig und gut für mein Leben.

Ich wohne in einer wunderschönen Wohnung und arbeite in einem Laden, den ich mir selbst schön gemacht habe. Der BMW Chopper glänzt. Statt der schrottreifen Karre fahre ich einen neuen Astra, Abwrackprämie sei Dank. Materiell ist die Lage ausgeglichen und stressfrei.

Es gibt keine großen Aufgaben. Es gibt keine großen Ereignisse. Es gibt keine Katastrophen. Ich lebe ein schönes Leben. Es ist Alltag.

Ich war zum Segeln in Thailand und bin im Teutoburger Land gewandert. Ich gehe zu Gothic Parties und lerne neue Leute kennen.

Ich habe eine Freundin, die viel jünger ist. Sie teilt viele meiner Interessen und lässt mir genug Freiraum.

Langsam werde ich älter. Ein sehr guter Freund ist gestorben. Wäre ich es gewesen - nicht so schlimm. Mein ganzes Dasein war reichhaltig und ist ein echtes Geschenk.

Ich bin ein junger Mann im Körper eines älteren. Ich nehm das erst auf Fotos wahr, im Spiegel sehe ich das nicht mal. Nichts ist erloschen, nichts beschränkt, nichts verloren. Ich soll 50 werden. Hä?


Über unserem Büro gab es einen Brand, die Räume waren unbenutzbar. Wir sind zunächst in einer Notunterkunft im Hinterhof zwischen Autowracks und einem marokkanischen Gemüsehändler untergekommen. Mein Mitarbeiter wurde immer unzuverlässiger, bis ich ihn dann endlich vor die Tür setzte.

Sylvester war total komisch, ich war zum ersten Mal allein um 12 noch zuhause. Wollte ich einfach für mich selbst haben. Bin dann nachher doch noch los, blieb aber nüchtern und unter Fremden.

Ostern gab es eine tolle Wanderung, und Pfingsten eine Tour mit dem Chopper zur Nordsee.

Ich fand diese verlassene Apotheke auf der Altenessener Hauptstraße und der Ebenezar Scroodge, dem das alte Stuckhaus gehört, machte plötzlich ein unschlagbares Mietangebot. Man kann schon fast sagen, dass das Schicksal mich dorthin gezwungen hat.

Ich hatte ein Projekt, eine neue Liebe. An dieser Straßenecke im Zentrum Altenessens begannt nun ein neuer Teil meines Lebens im historischen Gebäude.

Ich habe es mit eigenen Händen renoviert und schön gemacht.


Das Leben ist hart, vor allem wenn man einen weichen Keks hat. Dauerhaft vermeide ich das. Auch der stärkste Sturm endet, man muß einfach nur bis dahin noch da sein. Ich stand wieder auf, als es vorbei war. Irgendwie hatte ich alles überlebt.

Die Abzocker sind niedriges Pack geblieben. Gelegentlich und nicht ohne Freude betrachte ich ihre dümmliche und ärmliche Darstellung im Netz.

Anfang 2007 war die Show beendet, meine Finanzen wieder halbwegs in Ordnung und ich selbst gönnte mir den lang geplanten Segelurlaub auf Kuba mit gutem Gewissen. Havanna rauchend, läßt sich auch eine größere Niederlage recht gut verarbeiten. Zumal, wenn man nur zwei Monate vorher eine dreiwöchige Offroad Reise in die Sahara nach Libyen gemacht hat.

Der Sommer krönte sich damit, dass ich den Chopper nach drei Jahren endlich wieder frisch restauriert auf der Strasse hatte und zur Einweihung eine abenteuerliche Tour bis nach Frankreich unternahm.

Außerdem lernte ich im Internet die erste kennen, die seit langem mal wieder als "richtige" in Frage gekommen wäre. Eine wirklich Schöne, konnte tanzen und feiern und die Liebe zu ihr war wundervoll.

Doch sie war nicht frei. Ich hätte mein Leben verlassen und ihres teilen müssen. Ich wäre unglücklich geworden.

Sie hat jemanden gefunden, der es mit Freuden teilt. Ich verstehe warum und gönn es ihr wirklich.


Mit 41 war ich am Ziel. Der Laden lief richtig gut. Wir bekamen einen Azubi und ich mietete ein neues, größeres Büro. Ein Softwareprojekt brachte nochmal zusätzliche Einnahmen.

Und ich fand eine Frau, die alles war, einfach passte in allem was wir taten und dachten. Ich fand sie wunderschön und sie war wie ein verlorener Zwilling, den ich nun endlich gefunden hatte. Noch nie hatte ich so lange eine so tiefe Nähe empfunden.

Dann zockten unsere "Partner" das Projekt ab. Ich habe ihnen noch eine Weile das Leben schwer gemacht, letztendlich aber den Verlust nicht verhindern können.

Auch die anderen Geschäfte liefen schlecht zu dieser Zeit. Eine gerichtliche Abmahnung wegen eines Internet-Formfehlers in anderer Sache kostete zusätzlich viel Geld. Und noch jemand anderes weigerte sich plötzlich, ein vorfinanziertes Projekt zu bezahlen und schob allerlei erfundene "Fehler" vor. Geier versammeln sich immer im Rudel. Ich hab nächtelang nicht geschlafen. Wir waren so gut wie pleite. Ich nahm 13 Kilo ab.

Paralell krepierte mein Vater zuhause elendig an Lungenkrebs. Dazu gingen noch viele andere Sachen schief, vom verlorenen Handy bis zur dicken Narbe im Gesicht von einem Sturz. Es war wie eine Seuche. Die Scheiße eines ganzen Lebens passierte innerhalb von fünf Monaten.

Meine Liebesbeziehung hielt genau noch acht Wochen. Sie hatte jemand anderen kennen gelernt, mit weniger Problemen. Und auch gleich mit ihm geschlafen. Noch nie habe ich mich so verraten und allein gefühlt.


Mit 37 wurde ich Papa.

Ein schlechter Zeitpunkt. Ich war frisch selbstständig, hatte kein Geld und noch weniger Sicherheit.

Zwar hatte ich, kurz nachdem ich vom Ural wiederkam, einige Monate für ein sehr gutes Honorar in Bonn die Deutsche Post unterstützt, aber dieses Geld steckte längst in meinem ersten Büro in Rüttenscheid. Mit dem Rest war mein Anteil der Mongolei Tour bezahlt.

Ich hatte Lust meinen Laden aufzubauen. Selbstständig war mein Ding, auch wenn man mal viel, mal wenig Geld hat. Ich wußte nicht, wie das mit einem Kind noch klappen sollte. Aber ich begann eine Wohnung zu suchen. Ich schnitt mir die Haare wieder ab und akzeptierte endgültig, nun so zu leben.

Wir hatten nur noch Streit. Der hörte auch nach der Geburt nicht auf. Nach einem Jahr hatte sich das erledigt.

Wir haben es geschafft, uns über diese Zeit hinweg zu verständigen. Mittlerweile bin ich froh darüber. Hanna hat nie mit mir gewohnt, tut es seitdem aber alle 14 Tage.


Mit 36 war ich wieder straight. Ich begann mit meinen Touren, erst Afrika, später Russland und Mongolei. Die Haare wuchsen.

Ich verliess das BFZ. Ein großer Konzern warb mich ab für doppeltes Gehalt. Mir gings aber darum, an etwas Großen beteilgt sein zu können. Was das dann wurde, war vorher nicht zu erkennen.

Damals war das Internet ein Hype. Ich bekam federführend das Projekt eines Online Shops für Lebensmittel, die selbst zum Kunden geliefert werden sollten. Allein logistisch nicht Gewinn bringend. Ich schlug vor, das ganze mit nicht den Nahrungsmitteln und per Versand zu machen. Andere Konzerne sind inzwischen damit erfolgreich. Es ist mir so gleichgültig, das ich nicht einmal Genugtuung empfinde.

Die Probezeit hab ich selbst verlängert und schließlich den Laden verlassen.

Ich brauchte eh etwas Zeit für die Fahrt nach Russland. Und bis dahin hatte ich einige Jobs, die später zum Ursprung meiner Selbständigkeit wurden.

Später habe ich einige ganz gut besuchte Dia-Shows der Ferntouren durchgeführt und Artikel in Reisemagazinen veröffentlich. Nehberg oder Messner wollte ich aber nie werden.


Zum BFZ bin ich dann mit 31 als Mitarbeiter zurück gegangen. Ohne Schulungen und nur mit einem Modem und dem damals neuen Internet ausgestattet, eignete ich mir mein Wissen selbst an und baute dort über die Zeit ein Netz mit 12 Servern und knapp 600 PC mit Novell.

Später kam noch das Internet dazu, mit Web- Mail- und Proxyserver. Es gab eines cder ersten Internet-Cafes.

Aus alten PC-Teilen gebaut lief dort die erste Streaming Webcam in Deutschland. Und eines der ersten Schulungsvideos im Web, ein Beitrag über die Funktion von Routern.

Ich konnte richtig was. Aber auch wenn mir mein damaliger Chef ziemlich freie Hand liess, dauerhaft konnte ich in einer Institution, die einer Behörde ähnelt, nicht zufrieden sein. Ich glaube, ich war deshalb ein ziemlicher Angeber und eine Nervensäge. Aber im Grunde war ich nur traurig, so ein Niemand zu sein.

Diese Zeit war nicht besonders spannend. Aber hier legte ich den Grundstein für mein Wissen.

Ich hatte zwar einige Liebschaften, aber nichts davon festigte sich. Etwas später lernte ich die kommende Mutter meines Kindes kennen.


Mit 28 bestand meine Clique zu aus sechs Junggesellen und einigen Hangarounds. Wir unternahmen viel zusammen. In diese Zeit fallen auch die Reisen nach Schottland.

Das waren alles normale Leute. Ich bin aber kein normaler und hätte vielleicht auf die Suche nach etwas anderem gehen sollen. Aber wir waren Freunde und ich fühlte mich wohl.

Es begann meine Umschulung. Zum Elektriker auf dem Bau oder in der Industrie bin ich denkbar ungeignet.

Im BFZ erblühte die Liebesgeschichte zwischen mir und dem Computer. Danach fand ich einen Job in einer kleinen Klitsche, blieb aber nicht lange. 1und1 setze mich an die Hotline und bald war ich gefragter Experte.

Im zweiten Buch "Raus" ging es um die Welt untertage. Es gibt dort geradezu surealistische Szenarien, die in eine spannende Rahmenhandlung verpackt waren.

Es gab viel Anerkennung. Das Literaturbüro Ruhrgebiet brachte mich mit Jürgen Lodemann zusammen. Aber Bergbau ist ein Anti-Wort und man stellt sich unter so einem Buch was ganz anderes vor, als es ist. Der Verlag druckte es nicht.

Und ich hatte schon längst keine Lust mehr auf die Szene. Ich habe das Manuskript nie wieder zu einem Verlag geschickt.


Ich hatte einen Commodore Amiga und schrieb weiterhin. Mit 27 erschien "Ausgerastet". Technisch kein Meisterwerk und heute höchstens noch als Dokument der 80 er im Ruhrgebiet interessant. Die Kritiken waren gemischt, aber ungewöhnlich viele wurden verkauft. Ich war damals hier recht bekannt.

Ich engagierte mich in der Musikszene, obwohl ich selbst keine Musik mache. Wir veranstalteten mehrere, ziemlich erfolgreiche Konzerte und Aktionen. Keine von den Gruppen aber "schaffte" es.

Es war schon damals klar, dass das nichts bringt, aber ich holte einen höheren Schulabschluss in Abendform nach, einfach so für mich. Und dort verliebte mich in eine Göttin. Alles an ihr war perfekt. Ich kämpfte ein Jahr. Doch sie entschied sich für den späteren Vater Ihrer Kinder, älter und mit einer gesicherten Existenz. Sie war die geborene Mutter, und Vater konnte ich damals noch nicht sein.

Wir hätten befreundet bleiben können, aber am letzten Unterrichtstag sagte ich ihr Adieu für immer. Nichts als Freundschaft hätte ich nicht überlebt.

Ich litt mehr als ein Jahr. Die Leidens- und Liebesgeschichten aus dieser Zeit füllen einen ganzen Ordner. Sie ist nach einem schweren, persönlichenSchlag löetztens gestorben, wie ich gehört habe.

Ich begann, meine Wohnung umzubauen, weil sowieso niemand zum zusammenziehen da war. Hat 18 Monate gedauert.


25 war eine heftige Zeit. Wir lebten alles andere als gesund. Drogen und Alkohol, Motorräder und Frauen waren unser Leben. Ich war Reporter für die Rocker Zeitung Bikers News und lebte davon und mit einigen Jobs.

Gleichzeitig wurde im Mitglied im Verband junger Autoren und ging regelmäßig zu den Treffen in der Buchhandlung Platzer.

Auf einem Rockkonzert, das ich für den Club organisiert hatte, gab es eine abartig brutale Schlägerei. Den Anblick des Bewußtlosen, dem noch ein Messer in den Arm gestochen wird, vergesse ich nie. Ich hatte auch vorher schon Schlägereien und sogar Schiessereien mitgemacht, aber erst hier ist mir bewußt geworden, in welche Richtung der Zug ging. Sowas wollte ich nie sein.

Und außerdem hatte plötzlich richtig Schiss.

Wenn ich heute sehe, wie ich lebe, was meine Musik, meine Filme und vor allem, wer meine Freunde sind, dann weiß ich, dass ich dort nicht hin passte. Trotzdem kam es mir vor, als hätte ich alles verloren.

Kurze Zeit später löste sich der Rockerclub auf.


Mit 22 hatte ich Motorradtouren nach Südfrankreich und Griechenland hinter mir. Meine neue Freundin war wunderschön und unsere Jahre reich. Für sie aber ist ein anderer Typ Mann nötig. Ich bin heute Patenonkel ihres Sohnes.

Nach der Lehre blieb ich im Bergbau und kam unter Tage. 35 Grad Hitze, sechzig Zentimeter Höhe und 300 Meter Länge auf allen vieren. Vor Staub konnten wir manchmal die Hand vor Augen nicht sehen, der Lärm der Maschinen war infernalisch. So hatte ich mir als Kind die Hölle vorgestellt. Ich nahm 10 Kilo in sechs Monaten ab. Abends ging ich immer spät schlafen. Damit die bewußt gelebte Zeit, bis ich dort wieder hinunter musste, möglichst lang wäre.

Ich habe eines abends angerufen, mich krank gemeldet und bin dann nie wieder hin gegangen. (Buch: "Erdbeben in der Erde")

Ich jobbte, mal im Chemiewerk, mal auf der Kirmes, mal als Dachdecker. Und ich rockte in meinem Motorradclub.

Ich war Erfinder und Macher der "Motorrad Kirmes" auf der Zeche Carl. Immerhin mehr als 2500 Besucher hatten wir auf dem Platz.

Und ich baute den BMW Chopper.


Mit 14 bin ich eine Woche mit dem Rucksack allein durch das Sauerland gelaufen. Mein Eltern hatten keine Chance, das zu verhindern.

Vom Gymnasium bin ich mit 15 abgegangen. Ich bin ein Mensch, der Projekte liebt und sich bis in die späte Nacht mit einem Thema beschäftigen kann. Die Einteilung in Schulstunden wäre mir auch heute ein Graus. Ausschlaggebend war meine Note in Französisch, ne glatte sechs.

Ein Jahr später bin ich 5 Wochen durch Südfrankreich getrampt. Danach konnte ich die Sprache flüssig sprechen. Selbst heute noch kann ich kleine Unterhaltungen darin führen. Es ist nicht die Schule an sich, sondern die Art, wie sie durchgeführt wird, über die die Menschen in 200 Jahren hoffentlich nur lächeln werden.

Ich war Mitglied im CVJM und las die Bibel.

Die Karnaper Hauptschule war ein gewaltiger Kulturschock.

Mit 17 fuhr ich ne alte Zündapp, traf mich mit meiner Clique und ging auf der Zeche Nordstern in die Lehre.

Und ich war zum ersten Mal richtig verliebt.


Als Kind saß ich zwei Jahre im Rollstuhl. Das war die Folge einer Hüftkrankheit, die Perthes heißt. Die ganze Zeit war ich eingegipst und konnte nicht laufen. Ich kam auf eine Schule für Behinderte, sonst hätte ich keine Chance zum lernen gehabt.

Ich begann zu lesen und "frass" geradezu Bücher in mich hinein. Ich malte "Filme" auf Papierrollen und führte sie im Filmraum der Schule auf einem Episkop Projektor vor. Meine Firma hiess "Rolf Film" und hatte ein eigenes Logo.

Dann folgte noch über ein Jahr Laufen mit einer Gehschiene.

Bei vielen, die das haben, heilt es nicht komplett wieder. Mein Knochenkopf in der Hüfte ist aber vollständig wieder hergestellt. Das passierte in nur 6 Wochen und ging als medizinisches Wunder in die Fachblätter ein.

Ich wechselte zum Gymnasium und war Mitglied einer Pfadfindergruppe, die aus Behinderten und Nichtbehinderten bestand. Dort gründeten wir unsere Zeitung "Padfinder Minizin".

Mit den Pfadfindern machte ich meine ersten Reisen.